Ski and Fly "rund um den Arlberg"
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Da standen wir, das jämmerliche Häufchen, in klirrender Kälte, unter einem Himmel, der geradezu bilderbuchmäßig blau war. Alle waren wir neugierig darauf, was uns Simon und Mäcki heute zutrauen würden. Es hieß, daß jeder eine Theromoskanne heißen Tees mit Rum (oder umgekehrt) mitnehmen müsse, denn die Temperatur in St. Anton war am Morgen noch -15 Grad.
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Übrigens: Bilderbuchmäßig blau. Unser Mäcki ist nicht nur ein ausgezeichneter Fluglehrer, er ist auch ein ausgewiesener Schnapskenner und wird in diesem Spezialgebiet auf der ganzen Welt als hohe Autorität angesehen. Der Arme hatte in der Vornacht wieder eine Schnapsverköstigung hinter sich bringen müssen und war dementsprechend verkatert.
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Simon, der spiritus rector unserer Tour, so, wie ihn jeder kennt. Simon ist eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten, die mir jemals begegnet sind. Er lebt nicht in den Bergen, er "lebt" die Berge. Sie sind sein eigentliches Wohnzimmer. Viele Touren durfte ich mit ihm schon erleben, und ich staune immer wieder über seine Fähigkeiten und Kenntnisse. Es ist ein wirklicher Luxus, von ihm lernen zu dürfen. Er bringt einen an die Extreme und weiß dabei immer haargenau, was er einem zutrauen kann. Von Simon habe ich gelernt, mir selbst zu vertrauen. Ohne ihn wäre ich nicht zum "echten Paragleiter" geworden.
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Unser erster Flug war von der Valluga-Spitze nach Zürs hinab. Als wir den Startplatz sahen - er war eigentllich nur so groß wie ein Handttuch, dafür aber gleich hundert Meter senkrecht abfallend - wurden wir so ziemlich alle still. Sogar der "echte Paragleiter" klopfte keine lauten Sprüche mehr. Es ist schon merkwürdig, wenn einem plötzlich die Knie butterweich werden. Aber man will sich vor den Kollegen nicht blamieren. Keiner sagte mehr ein Wort. Jeder nestelte stumm an seinem Gurtzeug rum. Doch mit Simons und Mäckis Starthilfe kamen wir alle glücklich weg.
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Unmittelbar nach dem Start von der Valluga-Spitze mußten wir gleich eine scharfe Linkskurve ziehen, um nach Zürs zu gelangen. Hier sieht man Psacal, wie er sich um den Gipfel herumschmeißt. Pascal war übrigens das erste Mal mit dabei, und er ist ein wirklich patenter Kerl und großer Gewinn für die Tour gewesen.
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Dieter Schwarz landet in Zürs. Da konnte ich nur vor Neid erblassen. Wie elegant der sein Füßchen in den Schnee setzte! Die Schihasen waren dann auch gleich bei ihm. Wenn man genau auf seinen Bauch sieht, entdeckt man eine ganz häßliche Bauchtasche. Darin befanden sich: Autogrammkarten, 12 Tafeln Milka, 3 tiefgefrorene Apfelstrudel mit Vanilleeis, 2 XC-Trainer, ein Lenkrad (?), eine Klopapierrolle (zum Messen des Startwindes, versteht sich) und ein dickes Adressbuch, worin er alle Telefonnummern seiner "Freunde" verzeichnet hat. Und Dieter, das müßt ihr wissen, hat überall viele Freunde. Es ist daher ratsam, sich mit ihm gut zu stellen, wie sich später noch zeigen wird.
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Anflug auf Lech: Unter Aufbietung allen noch vorhandenen Mutes ist mir dieses Foto auf Lech geglückt. Denn kurz vor dem Landeplatz, das wußten wir, befand sich das Seil der Rüfikopfbahn, das wir überfliegen mußten. Und weil es praktisch nur ein Sinkflug ohne Thermik war, saßen wir schon auf Nadeln. Nun, ich war denn auch der Einzige, der das Seilbahn-Seil sehr gekonnt unterflogen hat.
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Auf ein Neues packten wir unsere Schirme zusammen und fuhren auf den Rüfikopf, von wo aus wir abermals nach Zürs hinabflogen. D.h.: Einige von uns flogen nach Zürs. Ich, zum Beispiel, soff heillos ab und blieb mitten in der Pampa stecken. Da hieß es nun, mit den Schiern hinauftrippeln und regulär wie jeder Normalsterbliche nach Zürs abfahren. Immerhin habe ich auf dem Rüfikopf eine unglaublich schöne Frau mit Hund kennengelernt, an die ich gleich mein Herz verlor. (Ich gebe zu, daß ich die Brillanten an ihren Ringen auch sehr schön fand. Unter meiner Hand, in der Brusttasche, verberge ich das Collier, das ich ihr bei der Umarmung geklaut habe.)
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Allmählich wurden die Schatten länger und die Luft wieder kälter. Wir gondelten jetzt zum Muggengrat hinauf, wo wir ebenfalls einen Startplatz vorfanden, der es in sich hatte. Bei leichtem Abwind ging es auf den Schiern eine völlig vereiste Piste hinunter. Der Start mußte auf Anhieb glücken, weil man sonst wie ein Rennrodel 400 m die Piste hinuntergerast wäre. Jemand sagte noch im Scherz: Wenn das passiert, macht ihr euch einfach steif wie ein Brett. Dann ist das Risiko, daß ihr euch alle Knochen brecht, ein klein wenig geringer.
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Anflug auf Stuben mit seinen zahllosen Stromleitungen. Dieser Flug war mit Sicherheit einer der schönsten der gesamten Tour. Zu Füßen lag die herrliche Straßengallerie nach Zürs, ein Meisterwerk der Straßenbaukunst früherer Tage. Man konnte nochmals die letzten Sonnenstrahlen erheischen. Der Wind, der sonst in Stuben immer einen Hexentanz aufführt, meinte es auch gnädig mit uns.
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... Es war nur der Üerredungskunst Dieters zu danken, daß wir noch im letzten Augenblick auf den Albonalift I gelangten. Jetzt verstand ich auch, warum er so viele Tafeln Schokolade eingepackt hatte. Wie war ich wieder ungerecht zu ihm gewesen, ihn als gieriges Monster zu bezeichnen! Und ich staunte abermals darüber, wie viele Freunde er weit und breit hat.
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Da der Albona II-Lift nicht mehr in Betrieb war - dort hat Dieter noch keine Freunde -, disponierte Simon kurzerhand um. Wir fuhren mit der nigelnagelneuen Valfagehrbahn Richtung Ulmer Hütte hoch. Und dort suchte Simon einen improvisierten Startplatz, denn es herrschte überall Abwind. Schließlich fand er einen geeigneten Startplatz, und wir mußten uns beeilen, denn es dunkelte allmählich ein. Die Flugroute ging um die Schindler-Spitze entlang des Steißbachtals nach St, Anton. Nun war es aber höchst fraglich, ob wir die Strommasten in St.Anton überfliegen könnten, weil wir sehr wenig "Arbeitshöhe" hatten. Simon flog voraus und teilte über Funk mit, daß uns ungefähr 30 Meter Spielraum bliebe. Na dann! Flach machen im Gurtzeug, geringstes Sinken beachten, Augen auf, und durch. Ich für meinen Teil natürlich wieder unter dem Seil durch. Das muß man auch können.
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Hier landet der Letzte aus unserer Truppe wohlbehalten in St.Anton - Mäcki. Trotz seines schwierigen Tages - man darf nicht vergessen, daß er ein weltberühmter Schnapskenner ist -, war uns Mäcki ein wunderbarer Betreuer und Helfer. Ein unvergleichlicher Flugtag ging zu Ende, ein Tag, an den man sich, trotz so vieler Flüge, immer wieder erinnern wird. © FCA 2006-2007: Dieser Internet-Artikel ist nach dem Urheberrechtsgesetz geschützt. Er darf ohne Zustimmung der Autoren weder ganz noch in Auszügen weiterverwendet werden.
